Die Folge davon nenne ich den Dualen Komplex. Mit dual meine ich zweiteilig, zwei gegensätzliche Pole und mit Komplex, zwei Gedankenmuster. Der Duale Komplex besteht aus einer Schlussfolgerung, weshalb mir diese Trennung widerfahren ist, und einer ausgleichenden Strategie, um das Gegenteil dieser Schlussfolgerung zu beweisen. Du kennst das vielleicht, wenn du etwas sehr Schlimmes erfahren hast, fragst du dich: Warum ist mir das passiert? Und kommst zu deinen Schlussfolgerungen. Wenn deine Schlussfolgerung für dich aber sehr schmerzhaft ist, versuchst du dem zu entfliehen, zum Beispiel in dem du das Gegenteil beweisen willst. Warum gibt es diese zweiteilige Reaktion?
Alles in unsere Psyche ist dual vorhanden. Alles hat sein Gegenteil, oder seine gegenteilige Entsprechung. Zu jeder Sache gibt es ein Gegenteil und einen Erfahrenden, der dies erfährt. Wenn in mir irgendwo die Idee existiert, dass ich ein wertvoller Mensch bin, so existiert auch immer die Idee, dass ich nicht wertvoll sein könnte, und zugleich jeweils einen Erfahrenden, der dies erfährt. Eine Idee ist ein Gedanke, und es gibt immer jemanden, der diesen Gedanken wahrnimmt. Und ein Gedanke kann für uns nur eine Bedeutung haben, wenn wir sein Gegenteil kennen. Nehmen wir den Erfolg, welche Bedeutung hat Erfolg, wenn wir nicht auch um den Misserfolg wüssten? Keine!
Greifen wir hier einmal kurz das Thema der Glaubenssätze auf. Ein Glaubenssatz ist eine innere Überzeugung über mich, andere, die Welt oder eine Sache. Eine Überzeugung muss nicht unbedingt mit der Realität übereinstimmen, ich denke darüber sind wir uns einig. Dennoch kann eine Überzeugung, ein Glaubenssatz, sehr stark auf uns wirken. Ein Glaubenssatz beinhaltet:
Information: Wovon wir überzeugt sind
Energie: Eine Kraft, emotionale Ladung
Wahrnehmenden: Jemand, der diesen Glaubenssatz wahrnimmt
Ein negativer Glaubenssatz könnte lauten: Ich bin unfähig – doch er macht nur Sinn, wenn ich um das Fähigsein weiß. Das hat er mit dem Dualen Komplex gemeinsam. Doch gibt einige wichtige Unterschiede in der Bearbeitung. Bearbeiten? Es gibt in den verschiedenen Coaching- und Therapierichtungen Methoden, um mit unerwünschten Glaubensätzen zu arbeiten. Manche sagen dabei, dass sich diese Glaubenssätze, die sich übrigens immer in einem ganzen System von Glaubenssätzen befinden, löschen oder entfernen lassen. Das ist so nicht ganz richtig, weil sich die Information auf Grund der Dualität nicht löschen lässt. Was in der Regel geschieht, ist, dass «Energie herausgenommen« wird. In einem
Gesamtprozess werden dann positive Überzeugungen gestärkt (Energie dazugegeben) und negative Überzeugungen geschwächt (Energie herausgenommen). Von dieser Veränderungsarbeit erhofft man sich wesentliche Besserung für verschiedene Lebensbereiche und das Wohlbefinden. Ob so eine Veränderung dauerhaft ist, ist eine ganz andere Frage. Denn einerseits ist die Psyche viel zu umfangreich, um sie wirklich komplett aufzuarbeiten, und andererseits werden alle Glaubenssätze vom dualen Komplex beeinflusst. Mit zu «umfangreich« meine ich, es gibt unzählige Glaubenssätze, Muster und Erinnerungen die uns beeinflussen. Und da der Duale Komplex allen anderen vorangeht, bleibt die Wurzel des Glaubenssystems weiterhin erhalten. Die Psyche, unser Geist, ist auch nichts Statisches, sondern erschafft sich ständig neu.
Deshalb funktioniert, das «Schöne« in mir zu stärken und das «Hässliche« in mir aufzulösen, nicht wirklich und dauerhaft. Die Psyche ist letztlich nur ein Gedankenbündel, und dieses Bündel unterliegt immer dem Prinzip der Dualität. Es ist letztlich wie der Hund, der seinen eigenen Schwanz jagt. Aus der Idee heraus, dass ich wertvoll bin, möchte ich die Idee, dass ich unwert bin, auslöschen. Dabei übersehe ich zwei Dinge:
1. Das wertvoll Sein, kann ohne das unwert Sein nicht existieren
2. Beides sind nur Ideen und nicht die Wahrheit
Wenn ich jedoch erkenne, dass ich weder das eine, noch das andere bin und dass beides nur Ideen sind, ohne eigene Existenbetrete ich einen dritten Weg.
Auszug aus dem kostenlosen Ebook unter www.a9o.de







