Jeder Persönlichkeitsanteil ist ein Charakter mit Überzeugungen, Sichtweisen, Muster usw. Ein anderer Name für einen Persönlichkeitsanteil wäre Denkposition, weil jeder Teil die Erfahrungen des Lebens auf seine weise interpretiert. Allen Teilen ist die vorgeschaltete Eigenschaft des individuellen Erfahrens gemeinsam, wodurch alle Wahrnehmungen, Gedanken und Gefühle, zu einer persönlichen Erfahrung werden, zu meiner Wahrnehmung, meine Gefühle, meine Gedanken, meine Empfindung usw.
Die Eigenschaft des individuellen Erfahrens, ist eine verzögere, gefilterte und meist verzerrte, Wahrnehmung der inneren und äußeren Welt. Sie wirkt wie eine Schnittstelle, die alles personalisiert und die Erfahrung der individuellen Trennung eines separaten Teils innerhalb der Welt schafft.
Innerhalb unserer Innenwelt können wir das fortsetzen dieser Teilung weiter beobachten, wobei uns meist nur ein paar Denkpositionen bewusst sind und andere erst beim genauen hinschauen, bzw. durch die Aufstellung bewusst werden. Diese Teilung und das schaffen von Teilen kann man leicht beobachten, wenn man ein kleines Spiel mit dem beobachten wagt: Ich kann mich selbst beobachten, doch woher weiß ich, dass ich mich beobachte? Und schon beobachte ich mich wie ich mich beobachte? Und woher weiß ich das? Schon geschieht es wieder, ich beobachte, wie ich mich beobachte, wie ich mich beobachte. Dieses Spiel kann man noch eine Weile fortführen. Die Erfahrung unserer Teile kann man auch im Alltag bemerken, insbesondere dann, wenn es einen Konflikt gibt. Ein Beispiel hierfür wäre, wir laufen durch die Fußgängerzone und werden Zeuge, wie ein Mann eine Frau beschimpft und bedroht. Was sollen wir tun? Jetzt tauchen verschiedene innere Stimmen auf. Wie: Das geht dich nichts an; du muss was tun; ich hab aber Sorge mich zu blamieren; ich habe Angst in einen Streit oder gar Kampf verwickelt zu werden; du musst handeln, weil es deine Pflicht als Mitmensch ist; usw. Es ist dann wie ein innerliches Tauziehen. Dieses Tauziehen oder zumindest diese Diskussionen können wir auch im Coaching beobachten. Das ist nichts Neues und was hat das mit der Eigenschaft des individuellen Erfahrens zu tun? Tatsächlich ist es nicht nur ein vermeintlicher Entscheidungsprozess. Es braucht keine besonderen Situationen, damit unser Geist werkelt, er macht das eigentlich die ganze Zeit. Es ist ein Erhaltungsprozess und ein Energiegewinnungsprozess. Ohne Input löst sich die Persönlichkeit immer mehr auf und da die Persönlichkeit (Ego) keine eigene Energie hervorbringen kann muss es diese von außen beziehen (vermeintlich).
Dafür ist im Wesentlichen die Eigenschaft des individuellen Erfahrens verantwortlich.
Jun
9

0 Trackbacks