Mai 8
In der buddhistischen Psychologie fasziniert mich besonders die Arbeit mit Paradoxen. Paradox kommt aus dem Griechischen und meint "über das Bekannte, über Ansichten und Urteile hinaus". Gemeint ist: nicht die mentale Reduzierung auf dies oder das, auf das "entweder oder", sondern das Einbeziehen des "sowohl als auch".
Diesen Ansatz gibt es bekannterweise in der Quantenphysik (in der Teilchen- und Welle-Betrachtung), aber schon viel länger in einigen östlichen Systemen und Philosophien und Religionen, z.B. der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), der Makrobiotik, dem Ayurveda, dem Vedanta und eben dem Buddhismus, um nur einige zu nennen. Genau genommen haben die Mystiker aller Religionen Paradoxe integriert. Das kann bei indianischen Kulturen sein, bei den Aboriginies in Australien, bei den Sufis (den Mystikern des Islam) und auch im Christentum. Meister Eckehart z.B., der frühe christliche Mystiker, wies bereits auf das Ungeborene in sich hin, das nie sterben kann.
Der Buddhismus beschreibt die Realität als Paradox, und das finde ich als Lebensphilosophie entlastend. Jemand oder eine Situation ist so und auch so und wiederum gar nicht so. Und das Wesentliche ist letztendlich nicht beschreibbar - Gott oder Nicht-Gott, Sein oder Nicht-Sein.
Wenn ich weiß, dass alles, was ich denken und sagen kann, nicht das Letzte ist, sondern nur das Vorletzte, dann muss ich nicht darauf beharren, sondern kann mich entspannen und großzügig sein - den anderen und mir selbst gegenüber.

Geschrieben von Alexandra

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